Hallo, Du, Sie, er, sie, es ….. !
Herzlich willkommen bei der Werbe- Kultur- Kampagne ” Ich finde mich gut, weil… ”
Der Einfachheit halber werde ich Sie, Dich mit Du anreden; das hat aber wirklich Nichts mit Respektlosigkeit, oder Gleichmacherei zu tun.
Warum findest Du dich gut?
Warum will ich das wissen?
Und warum solltest Du eigentlich darauf antworten, wo das doch eine wirklich ganz persönliche Frage ist, die auch niemanden etwas angeht, und die Dich bis jetzt auch wahrscheinlich noch niemand gefragt hat…
Ich bin seit 28 Jahren Berufsfotograf, und weiß so ein bisschen, wie wichtig ‘Bilder’ sind, und was ‘Werbung’ ist.
Bilder von Sachen, von Ideen, aber vor allem -von Menschen.
Bilder sind leichter und bequemer zu handhaben, als die realen ‘Vorlagen’, als die ‘Originale’.
Man kann sie verändern, umdeuten, bewerten, verstecken, und natürlich -handeln-, also kaufen und verkaufen.
“ich mache mir ein Bild von Dir”, das heisst, ich mache Dich ein Stück weit zu meiner eigenen Neu-schöpfung; - ich erschaffe Dich in gewisser Weise ‘neu’. In meinem Kopf- in meiner eigenen Welt - für meine eigene Welt.
Nicht zuletzt kann man Bilder wegwerfen oder zerstören. Wie im richtigen Leben!?
Auch das ‘Bild’ von Dir selbst !
Wen wundert’s, daß eigentlich kaum einer wissen will, wie’s wirklich in Dir ausschaut, wer Du wirklich bist, und was Du wirklich kannst, - wie Du dich selbst einschätzt.
Du selbst bist viel zu kompliziert, zu wenig ‘gefällig’, zu eigen…. zu menschlich eben, als daß Du auf dem ‘Marktplatz Gesellschaft’ wirklich mit Gewinn gehandelt werden könntest.
Deswegen ist Dein Bild dein Stellvertreter, dein Platzhalter.
Wichtig ist in unserer Gesellschaft, daß diejenigen, die ‘das Sagen haben’, Dein Bild definieren und festlegen können.
Du wirst bewertet nach dem, was du der Gesellschaft ‘bringst’, also nach Qualitäten, die Du ‘verkaufen’ kannst. Und das richtet sich nach dem, was ‘die Gesellschaft’ von Dir will, von Dir abruft.
Das gilt sogar für den ganz ‘privaten’ Bereich, denn keiner kann sich den Prägungen und Bedingungen der ‘Gesellschaft’ entziehen.
Die verschiedenen Rollen, die Du spielen sollst und musst, am Arbeitsplatz und daheim in Deinem privaten Umfeld gehören genauso dazu, wie alles Persönliche, was Du versteckst, weil Du glaubst, gewissen Vorbildern gleichen zu müssen.
Du ‘brauchst’ bestimmte Kleidung, das entsprechende Auto usw: “Mein Haus, mein Auto, meine Segeljacht, mein Pferd…etc. etc…” ist nicht eben nur ein Werbespruch, das ist schon eine ziemlich realistische Beschreibung der gesellschaftlichen ‘Muss- Norm’.
Das Andere alles, was noch in Dir steckt, was Dich eigentlich als Mensch und Persönlichkeit ausmacht und definiert, wird oft nicht ‘gefragt’, es interessiert eigentlich auch keinen…
…und dann willst Du es irgendwann auch nicht mehr zeigen, weil Du dich nicht angreifbar, oder lächerlich machen willst.
Und irgendwann hast Du es selbst vergessen, und kannst es fast nicht mehr finden.
Wie kommt’s, daß Du dich eigentlich ganz gut findest, aber oft ziemlich schlecht fühlst.
Warum traust Du dich oft nicht, das zu zeigen, was wirklich in Dir steckt, warum werden oft Dinge von Leuten entschieden, die’s nicht so gut können, wie Du selbst.
Auf dem ‘Marktplatz Gesellschaft’ hat der die Nase vorn, der sich gut verkauft.
Und vor dem Verkauf steht die Werbung.
Werbung, so meinen wohl die Meisten, ist das, was im Fernsehen, im Radio und gedruckt auf mich einprasselt, und dazu führen soll, daß ich etwas kaufe, benutze, in Anspruch nehme- und natürlich auch bezahle.
Der Begriff ‘Werbung’ scheint also ziemlich klar definiert zu sein: Hier ist derjenige, der die Werbebotschaft aussendet, und hier ist der, der die Botschaft empfängt.
Zugegeben: “Coca Cola” (als Synonym für klassische Produktwebung) macht auch Werbung, aber eben nur auch !
‘Werbung’ im eigentlichen, ursprünglichen Sinn, ist viel mehr.
Werbung ist die Transportebene, auf der man all das darstellt, was man braucht, und was man geben kann.
Werbung ist lebenswichtig!
Und dies in jedem (!) Bereich.
Sogar im Tierreich ‘wirbt’ der Hahn um die Henne; ich werbe um Aufmerksamkeit eines geliebten, interessanten Menschen, weil ich selbst geliebt werden will; man bewirbt sich um Arbeit, das Baby ‘wirbt’ mit seinem Schreien um Nahrung, oder Aufmerksamkeit , ect. ect…. Werbung ist die Kommunikationsebene, auf der wir unsere individuelle, soziale- und materielle Existenz sichern können, und -müssen.
Produktwerbung ist nur eine wirklich ganz kleine Facette des Gesamtbegriffs “Werbung”.
Werbung ist, durch Inhalt und Form definiert, eine Kulturform der menschlichen Gesellschaft.
Sie prägt die Menschen und die gesamte Gesellschaft, und wird selbst, meiner Meinung nach zu wenig von den einzelnen Individuen geprägt.
Ausserdem führt die strikte Trennung und Festlegung der Rollen ‘Sender’ und ‘Empfänger’ der Botschaft dazu, daß die aktive und bewusste Teilnahme am gesellschaftlichen Kulturgut ‘Werbung’ nur wenigen Privilegierten vorbehalten ist; genau denjenigen, die auch Dein ‘Bild’ definieren, und Dich damit ausschliesslich zum Konsumenten definieren.
Eigenartig, daß Du plötzlich ‘ArbeitNEHMER’ bist, obwohl Du doch Deine Arbeitskraft und Energie ‘GIBST’…
Warum findest Du dich gut!
Ich möchte, daß Du und Du, und Ihr, wir alle zeigen, was wirklich in uns steckt, was uns wirklich bewegt.
Ich glaube, daß wir damit ein echteres, ‘wahreres’ Menschenbild zeigen.
Ein Bild, was von jedem selbst, über sich selbst, authentisch also, gezeichnet wird.
Der Mensch, der Dich am allerbesten kennt, bist Du selber, das ‘Copyright’ an Dir hast Du, und sonst niemand!
Ich möchte an dieser Stelle betonen, daß ich grundsätzlich natürlich nichts gegen Produktwerbung habe; wir alle brauchen Produkte, und verdienen unseren Lebensunterhalt durch Produktion und Handel von und mit Produkten.
Ich meine nur, daß die Gesellschaft und die Wirtschaft an einem Punkt angekommen sind, an dem die dringend erforderliche Umstrukturierung und Erneuerung den Einsatz aller Ressourcen, auch und gerade der ganz persönlichen, erfordert.
Dieses enorme, bis jetzt nicht geforderte und geförderte Potential in jedem Einzelnen von uns kann Richtungen und Möglichkeiten der sinnvollen Weiterentwicklung aufzeigen, die in der Monokultur der momentan herrschenden Strukturen nicht möglich sind.
Ich hoffe, daß Eure Statements, in grosser Zahl gesammelt und veröffentlicht, dazu beitragen, ein neues, menschlicheres Menschenbild zu schaffen, und damit -hoffentlich- unsere Gesellschaft etwas menschlicher und ehrlicher zu machen.
Hab selber den Mut, und zeige Dich, frage nicht, wie Du ‘ankommst’, dann hilfst Du vielen anderen, das auch zu tun.
Und ist der Zwang erst weg, sich zu ‘verkaufen’, dann kann man wieder offen und ehrlich, wertfrei miteinander kommunizieren.
Dann bekommt ‘Werbung’ wieder ihren eigentlichen, persönlich wichtigen Charakter.
Deswegen ist “Ich finde mich gut, weil…” eine Werbe- Kultur- Kampagne.
In diesem Sinne: Lasst uns Werbung machen!
Euer Stefan Caspari